Metamorphopsie nach NHA - Behandlungsaussichten?

KAtharina ⌂, Camburg, (vor 25 Tagen) @ bestdani

Lieber bestdani,
erst einmal herzlich Willkommen bei uns.

Du beschreibst etwas, das viele Betroffene erleben, aber nur wenige so gut in Worte fassen können.
Und vorweg: Du bildest dir das nicht ein. Das, was du schilderst, passt sehr gut zu dem Befund, den die dritte Ärztin erstmals klar benannt hat.

Ich versuche, deine Fragen strukturiert zu beantworten.

Einordnung vorab: eine sichtbare Falte der Netzhaut nach NHA (häufig im Sinne einer epiretinalen Membran / retinalen Faltenbildung) kann sehr ausgeprägte Metamorphopsien verursachen – selbst dann, wenn der Visus formal „sehr gut“ oder sogar >100 % ist.
Das ist kein Widerspruch, da der Visus Auflösung misst, Metamorphopsie betrifft die räumliche Organisation des Bildes.

Gerade diese Kombination ist extrem anstrengend fürs Gehirn und erklärt sehr gut:
• schnelle Ermüdung
• Probleme bei dynamischen Situationen (Radfahren, Autofahren)
• massive Belastung bei Bildschirm- und Detailarbeit
• das Gefühl eines „dauernd kämpfenden visuellen Systems“

Frage 1 – Augenarzt / Klinik / OP-Möglichkeiten
Typische Optionen, über die in der Klinik gesprochen wird wäre eine erneute OP (z. B. Membran-Peeling)
• Ziel: Glättung der Netzhautoberfläche
• Kann Metamorphopsien verbessern, muss aber nicht
• Risiko: erneuter Eingriff an bereits vorgeschädigter Netzhaut
Wichtig zu wissen ist hier, die Verbesserung betrifft oft eher Verzerrungen als Visus. Das Gehirn braucht Monate, um sich an neue Reizlagen anzupassen. Ein Erfolg ist nicht garantiert, daher die Zurückhaltung vieler Ärzte.
Fragen für die Klinik:
• Handelt es sich um eine epiretinale Membran, Falte oder beides?
• Wie stabil ist die Netzhaut aktuell?
• Welche realistische Verbesserung ist wahrscheinlich, nicht nur theoretisch?
• Was sind die Risiken?
Dass deine Ärztin eine erneute OP nicht ausschließt, zeigt zumindest, dass der Befund ernst genommen wird – das ist positiv.

Frage 2 – Neurologie / Neuroplastizität
Dein Hausarzt liegt mit seinem Gedanken gar nicht falsch. Was realistisch ist: keine „Heilung“ im neurologischen Sinn, aber Unterstützung der Adaption des Gehirns.
Erfahrungen aus der Praxis:
• Seh- und Wahrnehmungstraining (z. B. bei Orthoptik / Neurooptometrie)
• gezieltes Belastungsmanagement (Reizreduktion, Pausen, Lichtführung)
• selten medikamentöse Ansätze (eher bei massiver Überreizung)
Der wichtigste Punkt- Dein visuelles System lernt – aber langsam.

Frage 3 – Abwarten, Anpassung, eigene Maßnahmen
Das, was du bereits tust, ist klug und genau richtig:
• Reduktion beruflicher Belastung
• feste Schlafroutinen
• Anpassung der Hobbies
• entlastende Brille (großes Plus!)
Was dir erfahrungsgemäß noch helfen kann:
• Geduld in Monaten, nicht Wochen denken
• Bildschirmarbeit klar strukturieren (größere Schrift, weniger Wechsel)
• Bewegung ohne visuelle Überforderung (z. B. Gehen statt Radfahren)
• Stressreduktion – psychischer Stress verstärkt Metamorphopsien messbar
Viele erleben zwischen 12–24 Monaten noch Anpassungseffekte.
Dass deine Ärzte „Geduld“ empfehlen, ist nicht bequem – aber medizinisch nachvollziehbar.

Ganz wichtig zum Schluss:
Du bist nicht „kompliziert“, nicht „überempfindlich“ und nicht „austherapiert“.

Du befindest dich in einem Grenzbereich, indem die Netzhaut strukturell verändert ist und dein Gehirn versucht, etwas eigentlich Unmögliches auszugleichen
Dass du damit bewusst und reflektiert umgehst, ist eine große Stärke.

Vielleicht könnte dir auch eine Reha in Masserberg weiter helfen!

Liebe Grüße,
Katharina

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Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht.


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