Depression nach Netzhaut-OP

KAtharina ⌂, Camburg, (vor 11 Stunden, 37 Minuten) @ LarissaT

Liebe Larissa,
Was du beschreibst, ist nichts, wofür du dich schämen oder „undankbar“ fühlen musst.
Du hast in kurzer Zeit extrem viel erlebt – zwei OPs, Unsicherheit, Kontrollverlust – und jetzt kommt die Phase danach, in der der Alltag noch nicht funktioniert.
Dass dein System darauf mit Erschöpfung und depressiven Gedanken reagiert, ist leider sehr verständlich.

5 Wochen nach zwei Eingriffen ist noch sehr früh. Dein aktueller Seheindruck wird wahrscheinlich von mehreren Faktoren gleichzeitig beeinflusst:
• weite/träge Pupille → starke Blendung, „verwaschenes“ Bild
• Astigmatismus → zusätzliche Unschärfe
• Nachstar → Grauschleier/Kontrastverlust
• ggf. noch Restentzündung/Heilung

Dass du mit einer Lochblende deutlich besser siehst, ist ein wichtiges Zeichen.
Es spricht dafür, dass ein großer Teil deiner Unschärfe optisch/funktionell ist – und nicht nur durch bleibende Netzhautschäden erklärt wird.

Viele dieser Punkte sind prinzipiell behandel- oder verbesserbar, z. B.:
• Nachstar → oft gut mit YAG-Laser behandelbar
• weite Pupille → getönte/Filtergläser, ggf. spezielle Kontaktlinsen (iris-print), in manchen Fällen auch operative Optionen
• Astigmatismus → braucht manchmal mehrere Anläufe bei der Anpassung
Das heißt nicht, dass alles sofort gut wird – aber du bist nicht „am Ende der Möglichkeiten“.

Du beschreibst es selbst sehr treffend:
Gerade als der Arzt sagt „alles stabil, du darfst wieder alles“, bricht bei dir etwas zusammen.
Das passiert vielen von uns, während der Akutphase funktioniert man, danach kommt die Realität: „So fühlt sich mein Sehen jetzt an“. Und dann folgt die emotionale Reaktion
Das ist kein Rückschritt – das ist Verarbeitung.

Ein paar ganz praktische Dinge für jetzt:
• Erlaube dir, noch nicht funktionieren zu müssen
• Reduziere visuelle Belastung (Helligkeit, Bildschirm, Pausen)
• Nutze vorübergehend Hilfen (z. B. Lochblende, getönte Gläser)
• Geh die nächsten Schritte nacheinander, nicht alles gleichzeitig lösen wollen

Und- es ist absolut legitim, dir jetzt psychologische Unterstützung zu holen.
Dass du dich darum kümmerst, ist ein sehr guter Schritt.

Du schreibst, du fühlst dich „undankbar“.
Ich würde es anders sehen:
Dein Auge ist stabilisiert – aber dein Leben fühlt sich noch nicht wieder lebbar an.
Und genau da darfst du hinschauen.

Meine Pupille war nach den Operationen auch immer zickig, und hat teilweise Monate bis 1,5 Jahre gebraucht, um sich zu erholen.
Leider ist sie jetzt nach den vielen Eingriffen starr und reagiert gar nicht mehr. Ich habe gelernt damit zu leben.
Das was im Endeffekt hilft, ob mit Therapie, Medikamenten oder ohne- ist Akzeptanz.

Herzliche Grüße
Katharina

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Ich bin diesen Weg gegangen, um Euch zu zeigen wie es geht.


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